„Teamspirit ist mehr wert als Qualität“

Weilheims Trainer Benjamin Geiger glaubt nicht mehr an den Klassenerhalt.

Fünf Punkte Rückstand auf den Relegationsplatz bei noch zwei ausstehenden Spielen - wie groß ist Ihre Hoffnung auf das Wunder von Weilheim?

Ich glaube nicht, dass wir die Klasse noch halten, aber dass wir in der Lage sind, die beiden letzten Spiele gegen Nafi und Oberensingen zu gewinnen. Bad Boll braucht nur noch einen Punkt, das lassen die sich nicht mehr nehmen. Wir wollen uns aber mit möglichst vielen Punkten aus der Liga verabschieden.

"Ich habe zu lange an einzelnen Spielern festgehalten": Benjamin Geiger zieht Lehren aus der Saison. Foto: Markus Brändli

 

Wurmt es besonders, dass mit Bad Boll einem ausgerechnet der Ex-Verein den Relegationsplatz wegschnappt?

Nein, zumal ich Boll auch zutraue, dass sie noch den direkten Klassenerhalt schaffen. Mich ärgert viel mehr unsere Vorrunde. Denn dass wir die Qualität für die Landesliga besitzen, haben wir mit unseren bislang 19 Punkten in der Rückrunde ja gezeigt. Hätten wir in der Hinrunde nur ähnlich gut gepunktet, dann hätten wir jetzt sehr, sehr gute Chancen, die Klasse zu halten.

Wie ist es vor diesem Hintergrund um die Stimmung in der Mannschaft bestellt?

Klar waren alle nach der Niederlage gegen Bonlanden enttäuscht. Da haben wir schon realisiert, dass der Zug aller Voraussicht nach abgefahren ist. Trotzdem wollen wir die Saison bestmöglich zu Ende spielen und erhobenen Hauptes gehen.

Droht Ihrer Ansicht nach bei einem Abstieg ein Spielerexodus wie im vergangenen Jahr?

Der Umbruch wird nicht so groß sein wie letzte Saison, als 16 gegangen sind. Aber zwischen sechs und acht Spieler werden den Verein verlassen. Das ist natürlich nicht das, was wir wollten. Wir wollten sehr gerne mit den Jungs ligenunabhänig planen, was die aber nicht so richtig wollten. Das sind alles junge Spieler, die den Anspruch haben, Landesliga oder höher zu spielen. Wir konnten leider nicht alle überzeugen, mit uns den Weg weiterzugehen, um es ähnlich zu machen wie Frickenhausen, Bonlanden oder Geislingen, die nach ihren jeweiligen Abstiegen den Kern der Mannschaft gehalten und dann gleich den Wiederaufstieg geschafft haben. Das hat einen Teil der Jungs nicht überzeugt, die wollen sich sportlich nicht verschlechtern, was die Liga angeht.

Durchaus nachvollziehbar, denn warum sollte ein wechselwilliger Spieler in der Bezirksliga für Weilheim spielen statt für Verein XY in der Landesliga?

Ich habe den Jungs versucht aufzuzeigen, dass Mannschaften wie eben Bonlanden und Geislingen zusammengeblieben sind und nach dem Wiederaufstieg nicht gegen Abstieg spielen, weil sie gemeinsam runter sind und zusammengehalten haben. Ich glaube, dass es langfristig für die Jungs besser gewesen wäre, wenn sie zusammengeblieben wären. Die sind noch nicht so gefestigt, dafür haben wir jetzt gerade mal zwei, drei gute Monate gespielt.

Vor diesem Hintergrund dürfte es kommende Saison allerdings schwierig werden, in der Bezirks­liga gleich vorne mitzuspielen. . .

Absolut, ich sehe uns da nicht in der Favoritenrolle. Es kommt darauf an, inwieweit wir unseren Kader noch verstärken können. Bevor der nicht endgültig steht, wäre es zu früh zu sagen, dass wir in der Bezirksliga vorne angreifen wollen. Wäre die Mannschaft zusammengeblieben, hätten wir durchaus zu den Favoriten gezählt.

Ist man da als Trainer nicht enttäuscht von Spielern?

Persönlich enttäuscht bin ich nicht, da ich ja weiß, wie das Geschäft läuft. Ich konnte ja auch Spieler davon überzeugen, zu bleiben. Was ich nicht hätte nachvollziehen können, wenn einer nur wegen des Geldes zu einem anderen Bezirksligisten gegangen wäre. Aber natürlich ist es schade, dass die Jungs dieses tolle Team, das wir in der Rückrunde hatten, aufgeben und das nicht als Chance sehen.

Welche Lehren ziehen Sie als ­Trainer aus dieser Saison?

Wir hätten uns von dem einen oder anderen Spieler, von dem wir uns erst in der Winterpause getrennt hatten, früher trennen sollen. Denn die Stimmung ist aktuell viel besser als im Winter. Das zeigt mir, dass Teamspirit mehr wert ist als die Qualität einzelner Spieler. Da werde ich in Zukunft konsequenter handeln. Wenn ich der Meinung bin, dass es nicht passt, muss man das dem Spieler früher mitteilen, statt bis zur Winterpause durchzuziehen. Hätten wir das gemacht, hätten wir den einen oder anderen Punkt mehr geholt und wären jetzt noch im Rennen um den Klassenerhalt. Ich muss mir ankreiden, dass ich an manchen Spielern zu lange festgehalten habe.

Zur Person: Benjamin Geiger ist seit Beginn dieser Saison Trainer in Weilheim, war davor dreieinhalb Jahre in Bad Boll. Der 39-jährige Gemeinschaftsschullehrer besitzt die Trainer-A-Lizenz und hat im März um ein weiteres Jahr an der Lindach verlängert.

Quelle: https://www.teckbote.de/lokalsport/fussball/fussball-landesliga_artikel,-teamspirit-ist-mehr-wert-als-qualitaet-_arid,230004.html