Der TSVW trifft nach zwei Pleiten in Folge auf einen Gegner, der ebenso punkten muss.

Für die Landesliga-Fußballer des TSV Weilheim setzte es die Höchststrafe. Im Clubheim mussten sich die Kicker zusammen mit dem Trainerstab das jüngste 1:6-Debakel gegen den TSV Blaustein im Detail auf einem Fernsehbildschirm anschauen - und sie fühlten sich dabei wie im falschen Film. Der Streifen bot nämlich erschreckend wenig fröhlichen Szenen aus Weilheimer Sicht, aber, so die Trainerhoffnung, einen großen Lerneffekt. „Die Blausteiner haben uns nämlich mit ihrer robusten Spielweise gnadenlos die Grenzen aufgezeigt“, erinnert sich Weilheims Trainer Benjamin Geigen an die ganz dunklen 90 Spielminuten am vergangenen Sonntag gegen das grundsolide Team aus dem Alb-Donau-Kreis.

In der schonungslosen Videoanalyse wurde dabei ein großes Manko deutlich. „Wir müssen gerade bei Standards viel enger am Gegner stehen, Druck gegen ihn ausüben und ihn am Abschluss hindern“, analysiert Benjamin Geiger. Zumal - der Weilheimer Kader ist nur mit wenig groß gewachsenen Spielern bestückt, die bei hohen Bällen für Klarheit sorgen können. Folglich legte Geiger in der Trainingswoche einen besonderen Wert auf das Verhalten bei Hereingaben. „Wir brauchen nun in Bad Boll auch Leidenschaft im Spiel, zumal es ein Derby ist, in dem wir auf einen Gegner treffen, der noch schlechter gestartet ist als wir“, spürt der TSVW-Trainer förmlich die Brisanz.

Dazu passend, dass Boll-Coach Manuel Doll nach eigenem Bekunden mit seinem Team gegen den TSV Weilheim „endlich die Kurve kriegen will“. Der bisherige Schleuderkurs bescherte dem Weilheimer Lokalrivalen nämlich bislang drei Negativerlebnisse am Stück. Drei der besonders schmerzhaften Art, weil die Boller jeweils nur mit einem Tor Differenz unterlagen. Dem 1:2-Auftakt beim TV Echterdingen folgte ein 2:3 im Duell mit Titelanwärter TSGV Waldstetten sowie vergangenen Samstag ein 0:1 beim Furore-Neuling und Landesliga-Tabellenführer SC Geislingen. Der gebürtige Bad Boller Doll ist mit seinem Team nur deshalb nicht Letzter, weil Neuling TSV Neu-Ulm das noch schlechtere Torverhältnis hat.

Die Auswahl der Startelf macht sich Benjamin Geiger nach eigenem Bekunden nicht leicht. „Ich habe in der Trainingswoche ganz genau hingeschaut, wer sich reinhängt, wer dagegenhält, bei wem es zur Sache ging.“ Der Coach schließt folglich diverse Änderungen im Team im Vergleich zum Blaustein-Debakel nicht aus.

Der Blick in die Tabelle vor dem vierten Spieltag ist für beide Mannschaften alles andere als nervenberuhigend: Der TSVW startet auf dem Relegationsplatz ins Nachbarschaftsduell, das Kurort-Team auf einem Direktabstiegsplatz. „Wir müssen nicht groß darum herumreden, es wird brisant“ - Benjamin Geiger ahnt, wie richtungsweisend das Duell im Erlengarten sein kann.


Grundschulkumpel soll leiden

Den Weg ins Stadion kennt er wie seine Westentasche: Wenn Weilheims Trainer Benjamin Geiger morgen mit seinem Team zum Landesliga-Match im Bad Boller Erlengarten anrückt, werden bei ihm Erinnerungen wach. Dreieinhalb Jahre wirkte der neue Weilheimer Cheftrainer fußballerisch im Kurort. Zunächst ein knappes halbes Jahr als Spieler (an der Seite von, auch in der Teckregion bestens bekannten, Michael Heilemann und Marcel Mettang), anschließend bis zum Frühsommer 2018 als Trainer. Ganz emotionsfrei ist die Angelegenheit für Geiger somit nicht, zumal Bolls Co-Trainer Matthias Seidl ein enger Freund des Weilheimer Übungsleiters ist. „Wir tauschen uns zum Beispiel auch über die jeweiligen Gegner aus“, beschreibt Geiger das Verhältnis. Geiger und Seidl kennen sich bereits seit der Grundschule, morgen soll es freilich nur einen Sieger geben. „Wir wollen siegen, das ist klar“, beschreibt der Weilheimer Chefcoach sein Ansinnen in der ehemaligen fußballerischen Heimat. Nach zwei Niederlagen am Stück freilich wenig verwunderlich.