Dem designierten Abteilungsleiter des TSVW werden vom scheidenden Trainerstab der Landesligamannschaft Vorwürfe gemacht.

Jung, dynamisch - und bald auch erfolgreich? Wenn die Fußballer des TSV Weilheim heute Abend in der Vereinsgaststätte „Dolce Vita“ einen neuen Abteilungsleiter wählen, stellt sich mit dem 23-jährigen Paul Schrievers ein ambitionierter Nachwuchsfunktionär zur Wahl, der unter der Limburg bereits zum lebenden Inventar gehört (siehe Infokasten). Seit die bisherigen Verantwortlichen Manfred Herrmann und Peter Götz vor einem Jahr signalisiert hatten, dass sie nur übergangsweise an der Spitze der knapp 400 Mitglieder starken Abteilung stehen wollen, hat sich Schrievers in Position gebracht. „Ich habe eine Vision, die ich mit meinem Team mittel- und langfristig umsetzen will“, sagt er. Wer seine Mitstreiter sind oder wie die Vision konkret aussieht, verrät er noch nicht. „Wir wollen erst mal die Mitgliederversammlung abwarten“, betont er.

Einer, der zupackt: Paul Schrievers gilt nicht nur im roten Trikot der Weilheimer „Zweiten“ als Mann der Tat. Nun will der 23-Jährige neuer Abteilungsleiter werden. Foto: Andreas Krisch
Einer, der zupackt: Paul Schrievers gilt nicht nur im roten Trikot der Weilheimer „Zweiten“ als Mann der Tat. Nun will der 23-Jährige neuer Abteilungsleiter werden. Foto: Andreas Krisch

 

So oder so wartet auf den designierten TSVW-Boss ein Berg an Arbeit. Nicht nur, dass der bisherige Jugendleiter und aktive Kicker der Weilheimer Zweiten den Mitgliedern das von ihm ersonnene Konzept zur Neuausrichtung des Vereins schmackhaft machen muss. Schrievers ist nach dem angekündigten Rückzug des Trainerstabs der ersten Mannschaft um Christopher Eisenhardt auch unverhofft auf Nachfolgersuche. „Klar, das ist das nächste Thema, zumal wir die aktuelle Landesligamannschaft gerne zusammen halten wollen“, betont Schrievers, der gleichzeitig keinen Hehl daraus macht, dass er und seine Mitstreiter in Zukunft verstärkt auf Eigengewächse setzen. „Wir wollen Kontinuität im Kader und nicht mehr eine so hohe Fluktuation wie zuletzt.“

Dabei könnte im Zuge des Rücktritts von Eisenhardt nun erst recht das große Stühlerücken einsetzen. Viele Spieler waren auch aufgrund des guten Drahts zum 130-maligen Oberligakicker des VfL Kirchheim unter die Limburg gekommen. So wie Georgios Natsis, der seit eineinhalb Jahren die Weilheimer Abwehr zusammenhält und einer von drei Mannschaftskapitänen ist. „Ich könnte mir vorstellen, dass viele ihre Zukunft vom Trainer abhängig machen“, sagt der 25-Jährige, der bei aller Trauer um den Weggang Eisenhardts („Wir hätten gerne mit ihm weitergemacht“) auch eine Lanze für die neuen Macher bricht. „Paul hat es verdient, dass man sich seine Ideen anhört.“

Knackpunkt Spielsystem

Eine davon soll das Spielsystem betreffen, das in Zukunft von der Jugend bis in den Aktivenbereich einheitlich trainiert und vermittelt werden soll. So einleuchtend der Grundgedanke sein mag, dass Spieler auf diesem Wege in den jeweils neuen Jahrgangsmannschaften leichter Fuß fassen, so schwierig gestalte sich laut des scheidenden Trainers Eisenhardt die Umsetzung. „Wir sind in Weilheim und nicht in Hoffenheim. So etwas braucht Zeit und Geduld.“

Beides hätte das Team um Eisenhardt von den neuen Machern aber nicht bekommen, bemängelt Co-Trainer Danell Stumpe, der im Sommer ebenfalls seinen Stuhl räumt. „Wir wollten Klarheit, ob und wie mit uns geplant wird, aber wir haben keine bekommen. Dabei hätten wir das Konzept grundsätzlich mitgetragen. Aber man kann so etwas nicht einfach durchdrücken.“

Der designierte Abteilungsleiter kann sich indes keinen Reim auf den Abgang Eisenhardts machen. „Chris wäre unser erster Ansprechpartner gewesen, da wir einen sehr positiven Eindruck von seiner Arbeit hatten. Ich bin über den Zeitpunkt seiner Entscheidung überrascht“, sagt Paul Schrievers.

Als offenes Geheimnis rund ums Lindachstadion gilt aber auch, dass Eisenhardt vor allem in der Jugendabteilung wenig Freunde hat. Persönliche Animositäten sowie der Vorwurf fehlender Fachkompetenz hätten ihn vom ersten Tag an in Weilheim begleitet, klagt Eisenhardt, der nichtsdestotrotz bis Saisonende bleiben will - sofern man ihn lässt. „Wir sehen keinen Grund, dass er nicht bis Ende der Runde Trainer bleibt“, versichert Paul Schrievers, dem in Sachen Nachfolger die Zeit im Nacken sitzt. „Uns ist bewusst, dass Mitte März die Planungen für die neue Saison beginnen. Aber wir setzen uns keine Deadline, es gab noch keine Gespräche mit neuen Kandidaten.“


Ein Bissinger mit Stallgeruch

Paul Schrievers stammt aus Bissingen, spielte bis zur C-Jugend beim SV Nabern und seitdem beim TSV Weilheim. Dort durchlief er alle Nachwuchsteams, ehe er über die Kreisligamannschaft des TSVW vor Beginn der Saison 2016/17 auch im Landesligakader stand. Über einige Einsätze in der Vorbereitung und zwei Einwechslungen in der Vorrunde kam er allerdings nicht hinaus und spielt seitdem für die zweite Mannschaft. Bis Beginn der Rückrundenvorbereitung der aktuellen Saison hatte er noch einmal wöchentlich mit der Landesligatruppe trainiert.

Der 23-Jährige ist im Besitz der Trainer-B-Lizenz und will im April den sogenannten „Jugend-Elite-Schein“ erwerben. Schrievers ist seit acht Jahren als Nachwuchstrainer in Weilheim tätig, aktuell betreut er das U15-Team des TSVW in der Landesstaffel. Seit zwei Jahren bildet er mit Uwe Heth und Lars Wiest außerdem die Jugendleitung.

Im Herbst dieses Jahres wird er an der Uni Vaihingen seinen Bachelor in Sportwissenschaften machen und will eines Tages hauptberuflich im Trainergeschäft arbeiten.

Quelle: https://www.teckbote.de/lokalsport/lokalnachrichten-lokalsport_artikel,-weilheimer-vor-neuwahlen-mit-stoergeraeusch-_arid,213432.html